Mb. Perthes (Morbus Perthes / Legg Calve)

Morbus Perthes (auch Legg-Calvé) ist eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen von Kindern. Dabei kommt es infolge einer Durchblutungsstörung zum Absterben des Hüftkopfes.

Ursachen

Was genau die Ursache dafür darstellt ist noch nicht letztlich geklärt. Folgende Möglichkeiten werden diskutiert.

Häufigste Erkrankungszeit ist zwischen 4 und 9 Jahren bei Jungen deutlich häufiger als bei Mädchen. Meist liegt die Schädigung nur an einer Seite vor (nur ca. 15% beidseitig).

Stadien

Verlauf

Die zumeist Jungen klagen oft initial über Knieschmerzen (selten über Beschwerden an der Hüfte) und zeigen deutliche Bewegungsfaulheit. Frühsymptome sind eine eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte, oft schmerzfreies Hinken oder Knieschmerz sowie Bewegungsfaulheit. Per Ultraschall oder MRT wird ein Gelenkerguss und eine Veränderung der Knochenepiphyse (Wachstumsfuge) diagnostiziert. Im weiteren Verlauf vergrößert sich der Hüftkopf, was bis hin zu einer Deckungsungleichheit zwischen Kopf und Pfanne führen kann. Dies ist oft nur durch Operation in den Griff zu bekommen. Während der Stadien bis zur Reparation muss der Verlauf durch Röntgenaufnahmen überwacht werden um übermäßige Deformierung zu erkennen.

Die Erkrankung kann mit heutigen Mitteln nicht verkürzt oder vermieden werden. So ist, je nach schwere der Schädigung, ein Verlauf von wenigen Monaten bis zu 4 Jahren (selten auch länger) angesetzt werden.

Spätfolgen

Bei einem Teil der Patienten bleibt eine ungleichmäßige Form des Hüftkopfes zurück. Dieser kann zu einer frühzeitigen Degeneration des Hüftknorpels und damit verbundener Arthrose führen. Bei einseigem Mb. Perthes bleibt darüber hinaus oftmals eine Beinlängendifferenz über. Diese kann Jahrzehnte später zu Wirbelsäulenerkrankungen führen, da die Bandscheiben nicht gleichmäßig belastet werden.
Versorgung durch Totalendoprothesen (Austausch von Hüftkopf und Pfanne kann, viel früher als im Normalfall, nötig werden. Dabei können oft auch Beinlängendifferenzen ausgeglichen werden und somit weitere Schäden der Wirbelsäule vermieden werden.

Therapie

Da die Dauer nicht beeinflusst werden kann, kann lediglich auf eine ideale Ausprägung des neuen Hüftkopfes während des Wiederaufbaus hin gewirkt werden. Ziel ist eine Stellung der Gelenkflächen, in der ein formender Druck auf den Kopf wirkt um diesen möglichst kugelförmig neu auszubilden.

Dazu werden verschiedene Therapeutische Ansätze erprobt und diskutiert.

konservative Therapie

durch Thomasschiene (Entlastung und Druckerhöhung am Hüftkopf)
Mainzer und Essener Orthese (vergl. Texas-Scottisch-Rite-Orthese) – Entlastung und Verstärkung des formenden Reizes während Beweglichkeit erhalten wird
Beckenbeingipsverband in Abduktions- oder Entlastungsstellung (bewirkt Entlastung und Containment) Petrie Cast und Altana Schiene bewirken lediglich eine Verstärkung des formenden Reizes, jedoch ohne Entlastung

Hinzu kommt eine ansatzweise Entlastung (Unterarmgehstützen, Rollstuhl) sowie eine gezielte Vermeidung von Fehlbelastungen wie springen oder rennen. Besonders im Reparationsstadium, das die Grundlage für die spätere Hüftform legt, ist eine Einhaltung der Schonung von großer Wichtigkeit. Wird dies nicht eingehalten droht eine bleibende Deformierung, was zu sehr frühem Gelenkersatz führt.

operative Therapie

Ein operatives Vorgehen ist nur selten angezeigt. Lediglich bei einem übermäßigem Hüftkopfwachstum oder drohenden massiven Deformierungen muss eingeschritten werden.

psychische Therapie

Nicht außer Acht gelassen werden darf der psychische Teil der Betreuung. Man muss sich vor Augen halten, dass es sich um Kinder oder junge Jugendliche handelt, die einem natürlichen Bewegungstrieb unterlegen sind. Anderen Kindern beim Spielen zuzusehen hinterlässt oft seelische Narben. Selbsthilfegruppen oder Psychotherapie kann hier helfen den Alltag wieder in den Griff zu bekommen.